Lieblingsplätze in Wiesbaden: Wolfgang Molitor - Villa Clementine

Gästeführer Wolfgang Molitor stellt ein wunderschönes Gebäude-Highlight in Wiesbaden vor: die Villa Clementine. Als Komparse während der Dreharbeiten der dreiteiligen Roman-Verfilmung "Die Buddenbrooks" lief er fast 30 Mal die Treppen der Villa hinunter.

Lieblingsplätze in Wiesbaden: Wolfgang Molitor - Villa Clementine

Sie ist eine der bemerkenswerten Villen aus der für Wiesbaden großen Zeit des 19. Jahrhunderts, in der Wiesbaden als Weltkurstadt in Europa und darüber hinaus berühmt geworden ist. Sie wurde 1882 erbaut und steht an einem sehr markanten Platz an der berühmten Wilhelmstrasse, Ecke Friedrichstrasse.

So hat sie wie viele andere Gebäude eine besonders interessante, wechselvolle Geschichte zu erzählen. Als eine von 1.300 um den Wiesbadener Stadtkern - das Kurviertel - erbaute Villa, repräsentiert sie den typischen architektonischen Baustil des 19. Jahrhunderts, nämlich den so genannten Historismus. Bei ihr kann man sehr schön erkennen, wie in den Zeiten des Historismus Stilelemente vorangegangener Bauepochen integriert wurden. Besonders die italienische Renaissance hat bei der Villa Clementine Einfluss genommen.

1882 wurde die Villa von einem reichen Fabrikanten aus Mainz für seine Frau Clementine erbaut. Leider verstarb sie im Jahr der Fertigstellung. Damit stand das Haus jahrelang leer. Bis 1888, als die Königin von Serbien während der Flucht vor ihrem Ehemann, dem König von Serbien, mit ihrem Sohn Alexander in ihr Unterschlupf gefunden hatte. Nach längerem diplomatischen Verhandlungen musste sie den Sohn an den König zurückgeben. Von ihr selbst verliert sich leider danach die Spur.

Einer meiner humorvollen, persönlichen Highlights auf unserer Gästeführer Tour durch Wiesbaden ist die Geschichte über die Dreharbeiten der dreiteiligen Verfilmung des Romans "Die Buddenbrooks" von Thomas Mann, die 1978 zu einem erheblichen Teil in der Villa Clementine durchgeführt wurden.

Man konnte sich damals als Komparse melden. Dies tat ich, um mein Studium-Budget etwas aufzubessern. Ich hatte dunkle lange Haare, der Zeit der 70er Jahre entsprechend. Der Regisseur musterte mich und hat mir sofort die Rolle des Kellners beim Gartenfest der Frau Buddenbrook zugeteilt. Grund: Ich brauchte keine Perücke.

Und so kam es, dass ich am Drehtag gefühlt 30 Mal durch das Treppenhaus hinunter in den Garten an mehreren Kameras vorbei mit einem Tablett mit sechs vollen Biergläsern laufen musste. Entweder war ich zu schnell oder zu langsam, zwischenzeitlich war der Schaum auf den Gläsern nicht mehr schön und gleichmäßig. Somit zogen sich die Dreharbeiten für diese Szene über den ganzen, heißen Sommertag hin. Erst am Abend hatte der Regisseur ein Einsehen und schien zufrieden zu sein. Geschafft!

Durch dieses Erlebnis war ich um eine mögliche, zukünftige Berufsauswahl klüger. Schauspieler werde ich jedenfalls nicht. Da fehlt mir doch etwas die Geduld. Von Talent gar nicht zu sprechen.

So, liebe Gäste, jetzt möchte ich mich von Ihnen wieder verabschieden. Ich wünsche Ihnen noch viele weitere interessante Erlebnisse auf Ihrem Rundgang. Viel Spaß dabei und Sie wissen schon:

Bleiben Sie gesund!

Wolfgang Molitor

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