Das digital-virtuelle Mitmachprogramm von Home Instead

Einrichtungsübergreifende Gruppen-Betreuung im 2-Wochen Testbetrieb

Die Corona-Pandemie hat der Diskussion zur Digitalisierung der Pflege und Betreuung neuen
Schub gegeben. Wobei der Begriff Digitalisierung sehr unterschiedliche Bereiche und
Prozesse betrifft. Die Förderprogramme für die Pflege beziehen sich auf die
unternehmensbezogenen Prozesse und die dafür technische Ausstattung, wie beispielsweise
Software-Lösungen für Dienstplanungen. Virtuell-digitale Betreuungs- und Pflegeangebote
sind nicht im Fokus und werden oft mit der fehlenden Digitalkompetenz der hochaltrigen
Menschen abgetan. Unter der Federführung von Home Instead haben sich mehrere
Einrichtungen auf den Weg gemacht und haben über zwei Wochen getestet, wie diese Lücke
für die ambulante und teilstationäre Pflege geschlossen werden kann. Mit dabei waren
neben der Home Instead Zentrale und vier weiterer Betriebe die Diakonie Michaelshoven
und Huma_K.

Einsamkeit in der Wohnung fällt nicht auf

Einsamkeit von hochaltrigen Menschen, vor allem solchen mit gesundheitlichen
Einschränkungen sowie einem Pflege- und Unterstützungsbedarf ist ein umfassendes
Phänomen. Gerade in der Corona-Pandemie ist dies offensichtlich geworden, allerdings
weniger im ambulanten Bereich. Denn Einsamkeit von Menschen in der eigenen Wohnung
fällt meistens erst auf, wenn Pflege- bzw. Betreuungsdienste, Pflegeberater oder
Rettungsdienste diese Menschen aufsuchen (müssen). Oder anders ausgedrückt: Einsamkeit
zu Hause fällt nicht auf, da diese Menschen einfach nicht sichtbar sind. Durch die
Kontaktbeschränkungen, Zugangsbeschränkungen der Gastronomie und des Handels und
Schließung von Gruppenangeboten wie Seniorentreffs sind für die von Einsamkeit bedrohten
Menschen weitere Möglichkeiten weggebrochen, mit anderen Personen in Kontakt zu
kommen. Dies hat psychologische und physiologische Folgen für diese Personengruppen. Es
entstand damit die Idee, ein virtuell-digitales Mitmachprogramm zu entwickeln, dass
unterschiedliche Interessensgebiete anspricht und dabei kognitiv sowie körperlich
aktivierend wirkt.

Auch Hochaltrige sind online

Die erste zentrale Frage war, gibt es in der Generation Ü70 eine ausreichend hohe Zahl an
Personen, die online sind oder sich davon überzeugen lassen. Der jährliche
Digitalisierungsindex der D21 Initiative machte der Projektgruppe Mut. Demnach sind mehr
als 60% der über 70-jährigen Online, entweder über PC, Notebook oder mobile Devices.
Unterhalb dieser Altersgruppe sieht es noch besser aus, hier steigt der Wert sogar auf über
80% an. Im jährlichen Report wird immer wieder darauf verwiesen, dass gerade hochaltrige
Menschen einem Online-Angebot nicht abgeneigt gegenüberstehen, oft fehlt nur der
erkennbare subjektive Nutzen. Anders ausgedrückt bedeutet dies, dass eine Online-
Anbindung kein Selbstzweck ist. In ersten regionalen kleineren Tests in Herne und Köln
konnte diese auch tatsächlich beobachtet werden. Einige Teilnehmende der ersten
Gehversuche, die bis dahin ohne Internetzugang waren, sind anschließend zu begeisterten
Testern der weiteren Versuche geworden. In Kleingruppen wurden vereinzelte Spiele,
Diskussionen, Erfahrungsaustausche, Kulturprogramme und Bewegungsangebote
ausprobiert. Diese kleinen Tests über mehrere Monate halfen, die Anforderungen an das
Angebot, aber auch an die Gruppenangebote durchführenden Personen zu verstehen. Eine
wichtige Erkenntnis war, dass ohne einen konkreten Programmpunkt, wie z.B. Stuhl-
Gymnastik keine Kommunikation entstand. Aber die Kommunikation der Teilnehmenden
untereinander die Motivation ist, sich zur Veranstaltung einzuwählen.

14 Tage Pilotbetrieb erfolgreich

Die einzelnen Tests machten Mut. Daher wurde dann ein vierzehntägiges Programm
entwickelt, das Anfang Februar 2022 jeden Tag zwischen zwei und drei Events
(Programmpunkte) umfasste. Von Brain-Kinetik bis zum Wunschkonzert, von Lesungen bis
hin zu theologischen Austauschen und verschiedenste Aktivierungs-Einheiten wurde ein
breites Gruppenangebot entwickelt. Alle Projektbeteiligten brachten sich dabei mit
einzelnen Programmpunkten ein und ermöglichten ihren Kunden eine Teilnahme an. In der
Vorbereitung entstand auch die Idee, die virtuellen Gruppenangebote im Sinne eines Class-
Rooms auch in der Tagespflege anzubieten. Damit könnte man später den Menschen mit
Pflege- und Betreuungsbedarf eine Teilnahme von zu Hause und aus der Tagespflege heraus
anbieten. Auch kann so das Gruppen-Betreuungsangebot der Tagespflege thematisch und
von der Angebotsanzahl erweitert werden.

Positive Erfahrungen der Tagespflege

Das Mitmachprogramm von Home Instead bot in den zwei Wochen für die Tagespflege der
Diakonie Michaelshoven eine Vielfalt an Programmpunkten an. Die Gäste haben sich über
die Abwechslung der Angebote, als auch über das neue Format gefreut. Es gab keine
Berührungsängste, ganz im Gegenteil, das Programm weckte das Interesse der Gäste.
Insbesondere wurde bestätigt, dass die Gäste Gruppenangebote gerne wahrnehmen,
unabhängig vom Angebotsformat. Am Beliebtesten waren die Bewegungsangebote, als
auch die Lesungen. Durch die Filmvorführung „Das geteilte Berlin“ hat ein intensiver
Gesprächsaustausch der Gäste stattgefunden, die über ihre Erfahrungen zu der Zeit
berichtet haben. Durch diese neu gewonnenen Eindrücke, hat sich die Angebotsstruktur für
die Gäste in der Tagespflege erweitert.

Auswertung des zweiwöchigen Tests

Insgesamt haben mehr als 310 Teilnehmende an den mehr als 30 Events teilgenommen.
Nach jedem Programmpunkt wurde die Zufriedenheit mittels einer Sterne-Skala abgefragt.
Die Bewertungen lagen alle zwischen vier und drei Sternen (sehr hohe bzw. hohe
Zufriedenheit). Auch die um die einzelnen Events angebotenen Kommunikationszeiten der
Teilnehmenden wurden rege genutzt. Die am weitest entfernt wohnende Teilnehmerin
schaltete sich regelmäßig aus Stockholm zu. Das hat der Projektgruppe Mut gemacht, in
einem weiteren Entwicklungsschritt mit einem dann nochmals erweiterten Kreis
eingebundener Einrichtungen ein verstetigtes Angebot zu entwickeln.

digital-virtuelles Mitmachprogramm
Demenz Flyer - Home Instead

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